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Darum:
„[…] oder fängt die Religion nicht damit an, dass sie uns etwas Menschliches zeigt und behauptet, das sei etwas Übermenschliches, Göttliches?“ (Karl Marx)

„Wir sind eingeschlossen in einer Hölle von Fragen, die keiner beantworten kann, und unsere Strafe ist ´warum´ zu schreien, und unser Sein Sünde und Gnade zugleich.“ (Friedrich Dürrenmatt)

Die Macht der Kunst mag darin liegen, sich auch unter unmenschlichen Zuständen die Fähigkeit zu bewahren zu unterscheiden. Kunst als bloßer Gegenentwurf aber genügt nicht, ist unglaubwürdig. Komponieren ist für mich Utopie und Chronik zugleich, immer bewegt von der Frage: was geschieht uns!?

Additional

(Das Werk war eine Auftragskomposition der Klangwerkstatt Berlin. Auf dem Programm standen 3 Werke renommierter Komponisten in unterschiedlichster Besetzung, die von je einem jungen Komponisten „überschrieben“ werden sollten. Dabei war es freigestellt, wie man auf die „Vorlage“ kompositorisch reagiert, nur die Besetzung sollte vollkommen identisch sein. Meine „Vorlage“ war Dieter Schnebels „Lamah? (Warum?)“ für Streichtrio mit Gesang, welches sich auf die Sieben Letzten Worte Jesu Christi bezieht: Eli, Eli, lama asabthani? (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?).

In der Musikgeschichte haben sich viele Komponisten dieser Bibelpassage gewidmet. Ausgehend von Heinrich Schützs „Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“ sind Zitate verschiedener weiterer Vertonungen in mein Stück eingewoben. Je später, also näher an der Gegenwart diese Werke entstanden sind, desto undeutlicher sind sie zitiert. Quasi in entgegengesetzter Richtung schiebt sich meine Komposition in diesen Diskurs, mit dem Versuch einer Antwort auf die oft wiederholte Frage „Warum?“. „Darum:“.)